Social-Media Bildlizenz: Ein neues Geschäftsmodell

Die VG Bild-Kunst wird in Kooperation mit dem BVPA auf Grundlage der Urheberrechtsreform von 2021 eine neue Social-Media Bildlizenz anbieten. Adressaten sind die Diensteanbieter, die seit 1. August 2021 für die von ihren Usern hochgeladenen Bilder haften. Facebook, Instagram & Co. erhalten für ihre Aktivitäten in Deutschland Rechtssicherheit, weil sich die erweiterte Kollektivlizenz auch auf die Rechte von Außenseitern erstrecken wird. Im Gegenzug erschließt sich Bildagenturen und Bildautoren eine neue Erlösquelle in Form einer Beteiligung an den Umsätzen der Dienste, die ohne den Zusammenschluss in der VG Bild-Kunst nicht erschließbar wäre.

Die neue Social-Media Bildlizenz wird als erweiterte Kollektivlizenz ausgestaltet. Über dieses neue Instrument können Verwertungsgesellschaften ihre Lizenzpakete auch auf die Rechte von Außenseitern erstrecken, die nicht widersprechen. Damit kann den Diensteanbietern ein faktischer One-Stop-Shop angeboten werden: eine Unterschrift für die Nutzung des Weltrepertoires des stehenden Bildes in Deutschland. Im Gegenzug erhalten die Rechteinhaber eine Beteiligung an den Deutschlandumsätzen der Dienste.

Die Rechteübertragung betrifft allein die Lizenzierung des Uploads fremder Werke durch private User. Die Lizenzierung kommerzieller User wird nicht von der VG Bild-Kunst übernommen. Die Social-Media Bildlizenz deckt nur den Teil des Marktes ab, der bislang faktisch nicht erschlossen werden konnte. Sie er-streckt sich auf alle Werkarten des stehenden Bildes (Fotografie, Illustration etc.).

Die Social-Media Bildlizenz bietet einerseits Rechtssicherheit für Diensteanbieter und private User, die fremde Werke auf Plattformen uploaden. Sie bietet aber endlich auch dem gesamten Bildsektor für bislang illegale Bildnutzungen auf den Plattformen eine angemessene finanzielle Kompensation.

Voraussetzung für die Veröffentlichung eines Tarifs und den Start der Verhandlungen ist eine ausreichend hohe Rechtebündelung bei der VG Bild-Kunst.

Der BVPA übernimmt es, den Bildagenturen die neuen Wahrnehmungsverträge zu übersenden und sie bei Fragen schriftlich oder telefonisch zu beraten. Es ist nicht notwendig, dass Sie Verbandsmitglied sind oder es werden. Auf das Folgende kommt es an:

1. Sie schließen mit der VG Bild-Kunst einen Wahrnehmungsvertrag ab. Dessen Kern bildet die Übertragung der Online- und Vervielfältigungsrechte für die Nutzung durch Social-Media Diensteanbieter in Deutschland. Der Umfang der Lizenz ist eingeschränkt auf von privaten Usern hochgeladene Werke. Er erstreckt sich außerdem nur auf Plattformnutzungen in Deutschland.

2. Die VG Bild-Kunst nimmt Ihre Rechte als Treuhänderin ohne Gewinnerzielungsabsicht war. Von den Erlösen zieht sie sich allein die Verwaltungskosten ab, die im Allgemeinen zwischen 5,0% und 10,0% liegen.

3. Weil die Lizenzierung der Diensteanbieter pauschal erfolgt, brauchen Bildagenturen ihre Werke bei der VG Bild-Kunst nicht anmelden. Die Bild-Kunst benötigt keinerlei Daten zu Umfang und Inhalt Ihres Repertoires.

4. Die Erlöse werden aufgeteilt in einen Urheber- und einen Agenturanteil. Bildagenturen erhalten ihre Ausschüttung aus dem Agenturanteil. Sie müssen von ihren Erlösen keine Gelder an ihr Bildautoren bzw. Bildlieferanten weiterreichen. Letztere müssen sich direkt an die Bild-Kunst wenden und erhalten ihre Ausschüttungen aus dem Urheberanteil. (Diese pragmatische Verfahrensweise könnte es erforderlich machen, dass Bildagenturen ihre Verträge mit ihren Bildlieferanten anpassen.)

5. Die Aufteilung des Agenturanteils auf die Partneragenturen wird umsatzbezogen erfolgen. Details werden noch ausgearbeitet ebenso wie der Splitt zwischen Urhebern und Agenturen.

6. Der Wahrnehmungsvertrag kann jährlich gekündigt werden. Sollte die VG Bild-Kunst den Agenturanteil schmälern, besteht ein Sonderkündigungsrecht.

Die neuen gesetzlichen Regeln zur Haftung von Social-Media Diensteanbietern sind so ausgestaltet, dass letztere nur verpflichtet sind, Lizenzen von Verwertungsgesellschaften und den Rechteinhabern an großen Repertoires zu lizenzieren. Es ist somit nicht zu erwarten, dass kleinere Bildagenturen direkt mit Facebook, Instagram & Co. Lizenzverträge schließen können. Auch großen Bildagenturen wird es wohl kaum gelingen, eine Umsatzbeteiligung zu verhandeln.

Der Vorstand des BVPA rät Bildagenturen zum Abschluss des neuen Wahrnehmungsvertrags mit der VG Bild-Kunst. Hierzu Torsten Hoch, Vorstandsvor-sitzender des BVPA:

„Täglich werden Millionen von Bildern und Illustrationen professioneller Bildanbieter durch Privatpersonen in Sozialen Medien hochgeladen. Bislang lief diese unkontrollierte Massennutzung an den Bildagenturen vorbei, ohne Lizenzierungsmöglichkeit. Die nun mögliche Honorierung ist aus unserer Sicht selbstverständlich, denn professionelles Bildmaterial wertet die Plattform-Angebote auf und trägt somit wesentlich zum Erlös der Diensteanbieter bei. Gewichtige Argumente sprechen nach Meinung des BVPA-Vorstands und der durch ihn vertretenen Agenturen dafür, die Honorierung in Form einer erweiterten Kollektivlizenzierung bzw. Verhandlungspartnerschaft gemeinsam mit der VG Bild-Kunst durchzusetzen.“

Gerne lassen wir Ihnen auf Anfrage den o.g. Wahrnehmungsvertrag inkl. Sideletter zukommen und beraten Sie persönlich zum Vertragstext, den angedachten Verteilungsprinzipien, den Ausstiegsmöglichkeiten und zu weiteren Detailfragen. Wenden Sie sich hierzu an Mathias Jahn, jahn@bvpa.org, Tel. 030 / 3231662.

 

Über die VG Bild-Kunst
Die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst wurde 1969 gegründet. Sie ist die deutsche Verwertungsgesellschaft für Urheber*innen, die Werke im visuellen Bereich schaffen. Sie vertritt für weltweit rd. 185.00.000 Künstler*innen die Exklusivrechte und das Folgerecht. Im Bereich „Bild“ nimmt sie für rd. 180.000 deutsche und internationale Fotograf*innen, Grafiker*innen und Designer*innen hauptsächlich gesetzliche Vergütungsansprüche wahr. Für die der mehr als 63.000 eigenen Mitglieder hat bereits 2019 die Mitgliederversammlung beschlossen, die Rechte aller Bildurheber*innen zur Plattform-Lizenzierung in die Wahrnehmungsverträge aufzunehmen. Auch Bildagenturen, Verlage und Filmproduzenten werden von der VG Bild-Kunst vertreten.

Über den BVPA - Bundesverband professioneller Bildanbieter
Der BVPA wurde 1970 in Berlin als Interessenvertretung für deutsche Pressebild-Agenturen und Bildarchive gegründet. Heute ist der BVPA führende Instanz in Deutschland und dem europäischen Raum für alle Fragen rund um visuelle Inhalte und vertritt kleine und große Bildanbieter in ganz Europa. Der Verband repräsentiert außerdem die Interessen von Unternehmen, die bildagenturnahe Services anbieten, z.B. technische und juristische Dienstleistungen wie Keywording, Rechteverfolgung und Vertrieb. Derzeit hat der BVPA über 70 Mitglieder.

Kontakt BVPA
Mathias Jahn | Geschäftsstellenleitung BVPA
Bergstr. 92 | D-12169 Berlin
jahn@bvpa.org | www.bvpa.org

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